Als sich für Norman Schmitt im Winter 2024 die Tür zur Saarlandliga öffnete, war es mehr als nur ein sportlicher Schritt. Der Stürmer des SV Kirkel erhielt ein Angebot von Borussia Neunkirchen – jenem Traditionsverein, der für ihn nicht nur sportlich, sondern auch familiär eine besondere Bedeutung hatte.
Gedanklich ging Schmitt sofort einige Jahre zurück. Am 15. September 2018 stand er mit dem SV Rohrbach im Ellenfeld-Stadion auf dem Platz, damals noch als Aufsteiger in die Saarlandliga. Die Partie gegen die Borussia ging zwar mit 1:4 verloren, hinterließ bei ihm aber bleibenden Eindruck. „Trotz dieser Niederlage war es aber ein tolles Erlebnis, in einem Stadion mit Bundesliga-Historie auflaufen zu können. Und ich dachte mir: Dies nun alle 14 Tage erleben zu dürfen, wäre ja schon richtig toll“, sagt Schmitt in der Saarbrücker Zeitung und ergänzt: „Aber es kamen noch zwei weitere Dinge hinzu, die letztlich den Ausschlag gaben.“
Eines davon lag tief in seiner Familiengeschichte. Schmitt ist der Enkel von Theo Britz, der 2014 verstarb und als Ehrenmitglied eng mit Borussia Neunkirchen verbunden war. Britz galt als leidenschaftlicher Borusse und machte sich rund um das Ellenfeld-Stadion auch als sogenannter „Auslandsbeauftragter“ einen Namen. Unter anderem betreute er 1990 den späteren Weltstar Jay-Jay Okocha nach dessen Wechsel von den Enugu Rangers zur Borussia. Er unterstützte ausländische Neuzugänge bei Behördengängen und half ihnen, sich schnell in Neunkirchen einzuleben.
Für Norman Schmitt war klar: Ein Wechsel zur Borussia hätte auch seinem Großvater gefallen. Hinzu kam der sportliche Reiz. Der Angreifer wollte, wie er selbst sagt, „einfach die Chance nutzen wollte, noch einmal in der höchsten saarländischen Amateurklasse spielen zu können“. Zu diesem Zeitpunkt lief der St. Ingberter noch für Landesliga-Aufsteiger SV Kirkel auf. Beruflich arbeitet er als Angestellter der Stadt und ist für die Pflege der Grünflächen auf dem Friedhof in Rohrbach sowie für Vorbereitungen von Beerdigungen zuständig. Auf dem Platz überzeugte er mit Toren: 72 Treffer trugen maßgeblich zum Aufstieg bei, in der Landesliga legte er mit 47 weiteren Toren eindrucksvoll nach.
Im Sommer folgte schließlich der Wechsel nach Neunkirchen – doch das Kapitel Borussia nahm ein abruptes Ende, noch bevor es richtig begann. Drei Tage vor dem offiziellen Trainingsstart zog sich Schmitt bei einem Hobby-Turnier in Bildstock einen Kreuzbandriss zu und musste operiert werden. „Das passierte bei einer ganz normalen Bewegung und ohne gegnerische Einwirkung. Im Winter davor hatte ich bei einer gleichen Bewegung schon einmal Schmerzen verspürt. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war das Kreuzband damals angerissen“, erklärt der 29-Jährige. Vorwürfe macht er sich dennoch nicht: „denn ich liebe einfach das Fußball-Spielen quasi rund um die Uhr“.
Wie sehr Fußball sein Leben bestimmt, zeigte sich auch am Tag seiner Operation. Trotz Krücken ließ es sich Schmitt nicht nehmen, beim Saarlandliga-Eröffnungsspiel der Borussia am 25. Juli 2025 gegen den 1. FC Saarbrücken II (1:2) im Ellenfeld-Stadion dabei zu sein und seine neue Mannschaft zu unterstützen. Sportlich kam es für ihn jedoch zu keinem Einsatz. Als sich zusätzlich die finanziellen Probleme bei Borussia Neunkirchen zuspitzten und schließlich in der Insolvenz mündeten, zog Schmitt Konsequenzen. „Als dann die Finanzprobleme auftauchten und ich nicht wusste, ob – und falls ja wie – es in Neunkirchen weitergeht, bin ich jetzt in der Winterpause zum SV Kirkel zurückgewechselt“, schildert er. Dort wolle er nun helfen, auch wenn zunächst nur von außen: „In Kirkel habe ich mich immer sehr wohlgefühlt und ich will nun die Jungs – zunächst von außen – unterstützen, den Klassenverbleib zu realisieren.“ Eine Rückkehr auf den Platz schließt er nicht aus. Sollte der Arzt grünes Licht geben, könne er sich vorstellen, „vielleicht auch noch – falls es dann noch um wichtige Punkte geht – ein bis zwei Spiele bestreiten. Ansonsten greife ich erst zur neuen Runde wieder an“.
Dass sein Traum vom Einsatz im Trikot der Borussia unerfüllt blieb, schmerzt. „Ja, das hatte ich mir alles ganz anders vorgestellt. Zunächst meine Verletzung, dann die Geschehnisse rund um den Verein“, sagt Schmitt offen. Ganz abgeschlossen hat er mit der Saarlandliga aber noch nicht: „Aber wer weiß: Vielleicht schaffe ich ja im dann richtig reifen Fußball-Alter von 32, 33 Jahren noch einmal den Sprung in die Saarlandliga. Aber zunächst einmal muss ich wieder richtig fit werden.“